Timo Pache zu Gast an der „Minibar im Zimmer 101“.

Shownotes

Es geht weiter.

Carsten K. Rath lädt prägende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Medien, Hotellerie und Tourismus an die Minibar ein. Es wird reflektiert, offen gesprochen und manchmal auch grundlegend hinterfragt. Hier wird Persönlichkeit greifbar.

Diese Woche zu Gast ist Timo Pache. Als Chefredakteur von Capital prägt er seit vielen Jahren die deutsche Wirtschafts- und Medienlandschaft und bringt einen differenzierten Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen, Politik und Verantwortung mit.

Ein Gespräch über Politik, Medien, Wirtschaft und die Themen, die unsere Gesellschaft aktuell besonders bewegen.

Minibar Geständnisse aus Zimmer 101 erscheinen wöchentlich auf Spotify, Apple Podcasts, YouTube und Amazon Music.

#minibargeständnisseauszimmer101 #timopache #podcast #vidcast #die101besten #wirtschaft

Transkript anzeigen

00:00:01: Minibar.

00:00:01: Geständnisse aus Zimmer-Einhundert.

00:00:04: Eins.

00:00:07: Carsten Karath im Gespräch mit Timo Pache.

00:00:15: Liebe Zuhörer, er ist einer der spannendsten Stimmen des Wirtschaftsjournalismus.

00:00:20: Mit klarem Blick, feinem journalistischem Gespür und Leidenschaft analysiert er die Entwicklung unserer Zeit Und er ordnet sie ein, eine Mischung aus Tiefe Neugier und Haltung.

00:00:32: Bitte begrüßen Sie mit mir den Chefproduktor des wichtigsten Finanz- und Wirtschaftsmagazins Deutschlands, Kapital.

00:00:38: Herzlich willkommen Timo Pacher!

00:00:40: Timo du bist selbst Teil der Medienlandschaft aber wenn Du Dich mal in die Ecke polizierst und von oben drauf schaust was sind denn die bewegendsten Themen in der Medienlandschaft heute, die dich bewegen?

00:00:51: Es ist der Zustand des Landes und der Wirtschaft.

00:00:56: Wir haben ja alle im Grunde genommen nach Corona gedacht.

00:01:01: jetzt kehren wir wieder zurück in die alte Welt.

00:01:05: Das war so ein ganz verbreitetes Gefühl.

00:01:10: Wir hatten ja ein gutes Jahrzehnt, von zwölzehn bis zu neunzehnten bis zur Pandemie.

00:01:14: Dann kam die Pandemie und wir dachten jetzt kommen wir zurück.

00:01:17: Und dann kam einerseits der Russland-Angriff auf die Ukraine und die Energiekrise und wir haben gemerkt, irgendwie kommt doch noch nicht zurück in diese alte Welt.

00:01:28: Und jetzt sind wir im Jahr zwei tausend fünf zwanzig, fast schon zweitausend sechsundzwanzig und wir haben immer noch nicht ein Rezept gefunden wie wir in diesem Land wieder Wachstum schaffen.

00:01:38: Wie wir unseren Wohlstand künftig sichern werden.

00:01:41: Wir sehen eine ganze Reihe von Problemen in verschiedenen Industrien und Branchen und haben keinen Rezept dagegen.

00:01:50: Sowohl glaube ich in den Unternehmen als auch der Politik gibt es eine gewisse Überforderung Und das macht mir tatsächlich Sorgen.

00:01:56: Das ist journalistisch spannend und wir betrachten das jeden Tag, aber es ist eben auch wenn man jetzt, du sagst ja ich soll so ein bisschen abstrahlieren von meinem redaktionellen Alltag Es macht einem eben auch Sorgen Wenn wir da nicht mehr rauskommen.

00:02:14: Jetzt sitzt Du ja den ganzen tag sozusagen am Spielfeldrand Obachtes kommentierst und Wolfgang Schmidt unser ehemaliger Bundeskanzleramtsminister Ich glaube ist der richtige Titel Hat etwas gesagt, das mich irritiert hat.

00:02:26: Er hat gesagt wir kriegen diesen Knoten, diesen gotischen Jürgen immer nichts zu schlagen.

00:02:30: Wir müssen ihn entknüpfen.

00:02:32: Ist es so?

00:02:34: Ja ich glaube da hatte er recht.

00:02:36: Ich meine wenn man sich das Beispiel Argentinien anschaut Das ist sehr weit weg von uns Das ist aber ein anderes Land Es ist eine andere Volkswirtschaft.

00:02:44: Ich glaube wir wollten auch vorher nicht irgendwie sozusagen zu argentinischen Bedingungen hier unser Land betreiben.

00:02:53: Das andere Beispiel ist Elon Musk in den USA, der versuchte aber kläglich gescheitert ist.

00:02:59: Ich glaube diese radikalen Ansätze ja man hat dafür eine gewisse Sympathie weil man nicht weiß wie man mit diesem Aufdröseln was Wolfgang Schmidt hier gesagt hat weiter kommt ne?

00:03:09: Wie man wirklich mal spürbare Effekte produziert.

00:03:14: Aber irgendwie einfach mit der Kettensäge daran zu gehen oder mit der Machete und alles kurz und klein zuschlagen ist glaube ich nicht sinnvoll, weil wir dafür sehr viel zerstören werden.

00:03:25: An Strukturen die wiederum ihr Gutes haben und deswegen ist es in einem Land wie Deutschland tatsächlich eine mühselige Aufgabe des Auftröselns, aber es geht, wenn man sich wirklich da reinkniet

00:03:51: Also Unternehmer schaue ich dann ein Stück weit anders drauf, denn ich weiß natürlich wenn ich in einer schwierigen betriebswirtschaftlichen Lage bin also Analogie Deutschland in der schwierige Volkswirtschaftliche Lage bin.

00:04:01: Dann muss sich reagieren und zum Teil auch schnell und hart reagieren damit ich mein Unternehmen rette.

00:04:06: In der Volkswirtschaft ist es etwas anders.

00:04:07: da habe ich ja die Schuldenbremse die ich lockern kann oder die jedenfalls ein Stück weiter mehr Zeit gibt.

00:04:13: wie viel Zeit haben wir denn zu entknüpfen?

00:04:18: Auch politisch was danach kommen könnte?

00:04:21: Also ich glaube, wir sind uns einer einig.

00:04:23: Diese aktuelle Bundesregierung muss da ordentliche Fratschritte liefern und ich bin mir selber nicht sicher ob das Paket was die Regierung jetzt schon auf den Weg gebracht hat zumindest erstmal beschlossen hat im Kabinett ob das bereits ausreicht.

00:04:40: Unsere Kollegen, die sich da noch besser auskennen als ich sagen das ist schon ein riesiges Paket.

00:04:45: Das ist viel mehr als viele Bundesregierung zuvor in den letzten zwanzig dreißig Jahren, die ja alle immer über Bürokratieabbau gesprochen haben aber dann ist nie was passiert oder zumindest nicht spürbar, als die jemals auf den Weg gebracht haben.

00:04:59: so trotzdem haben wir alle das Gefühl dass reicht immer noch nicht.

00:05:05: also wenn man jetzt künftig beim Kraftfahrt Bundesamt online sein Auto an- und abmelden kann.

00:05:12: Wenn es da Vereinfachungen geben soll in irgendwelchen Verwaltungsabläufen, digitalen Pass, führerscheinende Wallet... Alles gut!

00:05:20: Aber wir müssen ja in diesen Genehmigungsprozessen schneller werden.

00:05:23: Wenn Dietmar Müller Elmau sagt er wartet seit vierzehn Jahren auf einen Bebauungsplan hier oben für seinen Tal Das ist natürlich Wahnsinn Und das müssen wir glaube ich.

00:05:33: also wenn's dir um die Unternehmer geht dann müssen wir genau dort glaube ich große Fortschritte erzielen.

00:05:39: Da muss man an die Strukturen ran zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Kreisverwaltungen noch dazwischen.

00:05:45: Es sind ja unglaublich viele Layer, die da irgendwie betroffen sind.

00:05:49: Und das ist mühselig!

00:05:51: Ich glaube wir müssen es tatsächlich jetzt in den kommenden drei Jahren mit dieser Regierung hinkriegen.

00:05:58: Das hoffe ich, dass ihnen das gelingt.

00:06:03: Wenn du sagst was passiert sonst?

00:06:07: Ich weiß es nicht, aber klar man macht sich Sorgen.

00:06:11: Ja die Ränder sind so stark dass sie, wenn man sie mal von links und rechts addieren würde, die Mehrheit darstellen also eine sehr unzufriedene große Menge von Wählern, die aber auch die Richtung nicht wirklich vorgegeben haben?

00:06:29: Ich spüre natürlich diese Stimmung und diese Verunsicherung, diese Frustration.

00:06:35: Ich muss aber ehrlicherweise sagen wer heute sich überlegt also zumindest als wie auch immer erfolgreicher Unternehmer, wem er seine Stimme gibt?

00:06:48: Dann habe ich ehrlich gesagt relativ wenig Verständnis dafür wenn man sich überlegt die Stimme der AfD zu geben um es denen da oben mal zu zeigen.

00:06:57: Kurz gesprungen!

00:06:58: Ja, ich kann diesen Reflex verstehen.

00:07:00: Aber ich sehe keinen einzigen Vorschlag von der AfD, der dieses Land in irgendeiner Weise im Sinne von Unternehmern weiterbringen würde.

00:07:10: Ich kenne keine Vorschläge zum Bürokratieabbau – ich weiß nicht was die AfD machen wollen würde um den Sozialstaat zu reformieren!

00:07:20: Es ist alles immer nur sozusagen Ablehnung dessen, was irgendwie die etablierten Parteien im Bundestag vor sich hertragen.

00:07:28: Es ist eine Fundamental-Opposition.

00:07:31: Das kann man in der Opposition machen.

00:07:33: Ich glaube in einer Regierungsverantwortung würde diese Partei innerhalb weniger Monate komplett auseinanderfliegen.

00:07:38: Aber da sehe ich auch dass ich das die ganz große Sorge, die ich habe das sehe ich auf die Angst von vielen Unternehmen Die sagen die frustrierten Menschen die Anzahl der frustrierenden Menschen wandert ab und geht in eine Richtung zu einer Partei, die ja keine Lösungen anbietet.

00:07:54: Sie bietet ja nicht eine einzige Lösung an und wenn die Abschaffung des Euros, die aussieht aus der NATO das ist ja keine Lösung... Das

00:08:00: wäre ne Katastrophe für Deutschland!

00:08:02: Aber sie kommen natürlich mit ihrer Vorschlaghammer-Methodik, der Rhetorik diese Nutzen leider ja offensichtlich bei vielen an.

00:08:11: Und die Frage ist eben wie schaffen wir es dagegen Konzepte zu bringen?

00:08:16: Die sich dann auch spürbar genau wie du sagst in der Tasche des Menschen widerspiegeln, in der Geschwindigkeit von Entscheidungen widerspiegeln die das Land wieder lebenswert machen.

00:08:27: Ich glaube dass ist ein ganz entscheidender Punkt den diese Regierung auch noch nicht verstanden hat.

00:08:33: ich glaube die Dringlichkeit mit der Friedrich Merz Last Klingbeil und die anderen wichtigsten Beteiligten dieser Koalition rausgehen müssten ins land und tatsächlich informaten die man möglicherweise auch erst neu erfinden muss mit den Bürgern und Bürgerinnen ins Gespräch zu kommen.

00:08:52: Und wirklich diese Auseinandersetzung zu suchen, dahin zu gehen wo es auch wehtut, wo Widerspruch droht, wo's auch gefährlich werden kann vielleicht.

00:09:00: Dahin zugehen und sich zu exponieren und so sagen Leute das was euch da vorgehalten wird, was euch versprochen wird ist unrealistisch.

00:09:08: Das funktioniert nicht!

00:09:09: Es wird euch schaden.

00:09:11: Diese Auseinandersetzung wird zu wenig geführt von den entscheidenden Persönlichkeiten Und ich habe auch den Eindruck, ich glaube du auch, dass diese Koalition noch nicht verstanden hat.

00:09:24: Dass sie sich da viel stärker reinwerfen muss.

00:09:28: Ich glaube also das kann ich nicht beurteilen ob Sie es nicht verstandenen haben.

00:09:31: Sie spiegeln es zumindest nicht wieder und ich hab das Gefühl da ist ewig viel Zeit.

00:09:36: Also die Zeitnot ist nicht da.

00:09:39: Richtig!

00:09:39: Genau und die sehe ich auch.

00:09:40: Also ich sehe ja auch dass diese Regierung irgendwie denkt, sie hat ewig Zeit Und ja, auch viele Dinge auf den Weg bringt die eigentlich in die falsche Richtung gehen.

00:09:51: Also wenn ich mir anschaue zum Beispiel... Ich glaube es gibt in diesem Land ein großes Verständnis dafür das in den Sozialsystemen etwas passieren muss, dass das nicht nachhaltig ist.

00:10:03: Dass da große Probleme und Lasten auf künftige Generation zu kommen.

00:10:07: Das hatten wir vor zwanzig Jahren alles schon mal debattiert damals auch ehrlicherweise weitgehend gelöst.

00:10:17: Eigentlich war der große Schnitt Gerhard Schröder mit der Agenda.

00:10:22: Wir hatten verschiedene Regierungen dazwischen, die an vielen Stellen all das was damals beschlossen wurde wieder zurückgedreht haben.

00:10:33: und jetzt würde man ja annehmen diese Regierung hat verstanden sie muss wieder in die andere Richtung gehen.

00:10:39: Und was machen sie?

00:10:40: Sie bringen lauter Dinge in den ersten sechs Monaten ihrer Amtszeit auf den Weg, die genau dieses Zurückdrehen weiter fortsetzen und die Probleme größer machen und nicht kleiner machen.

00:10:51: Da frage ich mich auch warum tut man sich das an wenn man doch eigentlich schon ahnt dass man in den verbleibenden dreieinhalb Jahren, die man jetzt noch hat, das alles trotzdem wieder einsammeln muss.

00:10:59: Die super

00:11:00: wieder auswürfen muss!

00:11:00: Ja also wir machen die Probleme im Grunde genommen gerade größer und nicht kleinere.

00:11:06: Das ist etwas, was ich bei dieser neuen Bundesregierung auch nicht zusammenbekomme.

00:11:11: Ich nehme noch mal die Perspektive des Unternehmers ein.

00:11:14: Wenn es bei mir im Unternehmen Schwierigkeiten gibt dann bin ich der Erste und das glaube ich den typischen Unternehmer gehen, der das mit den Mitarbeitern thematisiert und er sagt wir müssen Dinge verändern.

00:11:22: Das wird jetzt schmerzhaft werden in welcher Form auch immer schnell das Ding nach hinten drehen damit's von vorne weiter geht so.

00:11:30: Und ich glaube dass das deutsche Volk ist bereit für diese Messages.

00:11:34: wie sind bereit zu hören Es müssen Einschneidungen gemacht werden, es müssen Dinge verändert werden.

00:11:38: Aber dann muss eben auch klar sein wann die kommen und wie sie kommen und dass sie kommen.

00:11:43: Ich glaube wir sind diese Ankündigungspolitik irgendwo müde und das ist das Problem, dass dann die Wälder abwandern und aus der breiten Mitte die Merkel irgendwann mal erfunden hat an die Ränder wandern.

00:11:54: Die Frage ist natürlich... ich hatte gedacht, dass März auch dieses Unternehmer gehen, das er ja durchaus mitbringt ist präsidialer geworden, als ich mir hervorstellen könnte?

00:12:06: Naja.

00:12:07: Er hat natürlich auch nicht ein Wahlergebnis bekommen was ihm in irgendeiner Weise die Rückendeckung gegeben hätte jetzt quasi mit breiter Brust zu sagen wir regieren jetzt hier durch und wir bestimmen die Agenda, sondern... Plus

00:12:21: die Umfragen, die ihn ja noch schwächer machen.

00:12:23: Richtig!

00:12:24: Genau so.

00:12:25: Sondern er muss natürlich Kompromisse finden in dieser Koalition.

00:12:29: Das ist völlig richtig, ich verstehe allerdings auch ehrlich gesagt die SPD nicht.

00:12:32: Auch die SPD muss ja sehen dass ihnen breite Wählerschichten zum Beispiel im Ruhrgebiet der Nordrhein-Westfalen wegbrechen.

00:12:40: In der Urheimat?

00:12:41: Ja genau weil auch dort die Leute im Grunde genommen sagen so wie es gerade ist kanns nicht weitergehen.

00:12:47: wir glauben da selber nicht dran.

00:12:49: Wie du sagst, ich glaube es gibt dieses Problembewusstsein in der Bevölkerung sehr viel verbreiteter als wir das immer denken oder unterstellen.

00:12:55: Oder zumindest die Politik unterstellen.

00:12:57: Ich glaube die Erwartungshaltung an die Politik dass wir jetzt hier weiter alimentiert werden und das alles so bleiben kann wie es ist Die gibt es tatsächlich nicht.

00:13:05: Sondern die Erwartungshaltung ist da Dass sich ganz viel verändert muss in diesem Land.

00:13:11: Und ja Friedrich Merz Ich verstehe es ehrlich gesagt auch nicht.

00:13:17: Er bemüht sich schon zu erklären, warum er gerade nicht so regiert wie er's vielleicht gerne wollte oder wie er das auch im Wahlkampf in Aussicht gestellt hat.

00:13:28: Will keiner mehr

00:13:28: hören?

00:13:29: Ob man's nicht hören will – gute Frage!

00:13:33: Du musst ja irgendwas erklären und herausgehen.

00:13:39: Was er schonen kann, ist so eine rhetorische Verbindlichkeit herzustellen.

00:13:43: So?

00:13:43: Das kann er... Dann müssen nur auch Dinge passieren und da passiert zu wenig bzw.

00:13:49: es passiert sogar das Gegenteil von dem was man jetzt erwarten würde.

00:13:52: Nun hat sich ja nicht nur volkswirtschaftlich oder politisch beunter Land einiges verändert Auch die Medienlandschaft hat sich verändert.

00:13:58: Natürlich ist es leicht hierzu sagen Ja, die sozialen Medien haben alles beschleunigt und verändert.

00:14:04: Was mich am allermeisten bewegt in der Medienlandschaft ist dieses Verbreiten von Fake News.

00:14:08: Das war ja früher verpönt, es galt als stillos, es passierte selten und wenn das passierte wurde man dafür sehr schnell entlarvt.

00:14:16: Heute ist es für den Konsumenten ganz schwer zu unterscheiden.

00:14:19: Wie gehst du denn damit um Nationalist?

00:14:22: Ja also es ist natürlich für uns eine Riesenherausforderung.

00:14:24: Wir versuchen mit so klassischen Formaten wie Faktenchecks natürlich dem irgendwas entgegenzusetzen.

00:14:34: Ganz schwierig wird es natürlich dann, wenn man sagt okay wir haben hier... Wir haben das alles überprüft.

00:14:39: Wir haben hier die und die zahlen Fakten wie auch immer dass zusammengesetzt ist zusammengetragen.

00:14:45: Wir würden sagen Das ist..das ist die Wahrheit.

00:14:49: So ist es da draußen in der Realität.

00:14:52: Und dann kommen aber Leserinnen und Lesern und sagen nie ihr habt euch wieder einlullen lassen Es ist ganz anders.

00:14:58: Also wir stellen dann auch tatsächlich fest dass wir manche Menschen einfach überhaupt nicht mehr erreichen ist bedauernswert, aber ich glaube das ist so.

00:15:07: Wir gehen wie ich sage damit so um dass wir versuchen... Ich bin das auch gestern tatsächlich gefragt worden hier von einem Teilnehmer Dass wir versuchen sozusagen beide Seiten erstmal auszuleuchten zu gucken was spricht für die eine Seite?

00:15:22: Was spricht oder für die Eine Behauptung und für die andere Behauptungen Und dann tatsächlich aber auch einen Urteil zu fällen und zu sagen Nein!

00:15:31: Das eine ist Quatsch.

00:15:33: Da erzählt euch einer, irgendwie Bock müsst und das andere ist tatsächlich das was da draußen die Wahrheit ist.

00:15:40: oder ich sage mal die Realität ist.

00:15:44: aber ich gebe dir total recht.

00:15:46: Ich glaube auch nicht dass wir jeden noch damit erreichen Und ich finde es erschreckend ...

00:16:03: im Raum stehen lassen und man dann keine Chance hat, das wieder zurecht zu rücken.

00:16:06: Das ist so natürlich vor allen Dingen im Inland.

00:16:09: wir im Ausland können zumindest dagegen halten... ...und sagen es stimmt nicht.

00:16:14: Wir

00:16:14: müssen nur noch nicht wählen!

00:16:16: So wenn Donald Trump sich hinstellt und sagt Friedrich Merz kehrt zur Atomkraft zurück ich habe's ja immer gesagt können wir sagen nein tut er nicht interessiert in Amerika trotzdem niemanden.

00:16:27: das ist tatsächlich so.

00:16:31: Wir müssen vor, also das größere Problem sehe ich natürlich in Verhandlungssituationen mit den USA.

00:16:36: Wo man im Grunde genommen mit wie soll man sagen?

00:16:41: Mit zu fingierten Realitäten arbeiten muss von den Amerikanern.

00:16:46: und genau weiß man darf sie nicht vor dem Kopf stoßen.

00:16:48: wir brauchen sie in Europa wir brauchen Sie in der Ukraine wir brauchen auch den Zugang zum amerikanischen Markt.

00:16:56: Also wir befinden uns ja in vielerlei Dimensionen, in großen Abhängigkeiten auch zu den USA und dann müssen wir da irgendwie so durchnavigieren.

00:17:05: das ist tatsächlich nicht trivial.

00:17:08: Ich habe ein paar Sätze mitgebracht die nicht vervollständigt sind.

00:17:12: vielleicht magst du sie für mich vervollstelligen?

00:17:14: ich werde mir Mühe geben.

00:17:17: Guter Journalismus bedeutet für mich

00:17:20: gründliche Recherche Aufbereitung, sei es geschrieben oder im gesprochenen Wort.

00:17:30: Am meisten inspiriert mich an meinem Beruf

00:17:33: die Abwechslung.

00:17:36: Ein guter Artikel entsteht für mich dann wenn?

00:17:39: Ich Zeit habe zu recherchieren und auch die Zeit habe es dann in Ruhe aufzuschreiben.

00:17:44: Und die wichtigste Fähigkeit für den Zukunft im Journalismus ist

00:17:50: tatsächlich komplexe Sachverhalte durchdringen zu können.

00:17:56: Gut, ich habe ein zwei Fragen mitgebracht die mich bewegen und sich dachte sie bewegen dich vielleicht auch.

00:18:02: Glaubst du dass Menschen die Realität abbilden spiegeln oder Sie erst erschaffen?

00:18:08: Ich glaube es ist eine Mischung aus beiden.

00:18:11: Natürlich beeinflussen Menschen die realität in dem schon wie sie sie wahrnehmen und in dem was sie darüber sagen.

00:18:21: aber Es gibt natürlich auch objektive Fakten und Begebenheiten da draußen Und die nehmen wir erst mal nur wahr.

00:18:30: Dann machen wir etwas damit, insofern ist es immer eine Interaktion aus beiden Seiten und wir Journalisten sind tatsächlich aufgefordert das Ganze in ein ordentliches Gleichgewicht zu bringen.

00:18:44: Ich habe da eine sehr schöne Antwort von einem Amerikaner zu gelesen, die kennst du auch perception is reality?

00:18:53: Ja aber ich würde immer sagen Nur Wahrnehmung ist es eben nicht, sondern ich habe ja tatsächlich Philosophie studiert und es gibt einen großen Satz von Ludwig Wittgenstein der sich mit der Frage über Gewissheit beschäftigt hat.

00:19:17: Und er hat gesagt um gewissheit zu haben brauche ich den Zweifel aber auch braucht eine gewisse Grundlage.

00:19:31: Und ich kann alles anzweifeln, aber wenn ich nirgendwo eine Gewissheit habe und die ist eben unabhängig auch von meiner Wahrnehmung dann werde ich verrückt.

00:19:43: Dann werde ich wahnsinnig!

00:19:43: Dann hab' ich gar nichts mehr.

00:19:46: Das heißt um irgendwas anzweifen zu können oder irgendetwas sozusagen als meine Wahrheit, meine Wahrnehnemung deklarieren zu können muss ich anerkennen dass es da draußen etwas gibt was feststeht, sonst...

00:20:01: Dann hast du dich mit dem Tiefgang der Frage beschäftigt.

00:20:05: Das ist aber genau ein Teil des Problems unserer Gesellschaft, dass wir da nicht mehr hinkommen?

00:20:10: Richtig!

00:20:10: Genau das ist genau das, was wir gerade verlieren und wir verlieren auch den Konsens darüber, dass es genau das braucht.

00:20:18: Ich um etwas anzweifeln zu können brauche ich auch ein gewisses Wissen und nur wenn ich dieses Wissen habe kann ich Dinge infrage stellen werden wir alle verrückt.

00:20:29: Sonst verlieren wir die Basis von dem, worauf wir gerade leben.

00:20:33: Das können wir so betreiben tatsächlich und das sehen wir aber das führt uns in den Abgrund.

00:20:40: Was wiegt denn schwerer?

00:20:41: Die Pflicht zur Wahrheit oder die Verantwortung für Wirkung?

00:20:46: Eindeutig natürlich die Pflicht zu Wahrheit.

00:20:48: Natürlich können wir uns allen nicht davon freimachen dass wir Aufmerksamkeit wollen als Journalisten, als Medienmarken.

00:20:59: Aber letztlich ruinieren wir auch unsere eigene Geschäftsgrundlage und Reputation.

00:21:06: Und das ist ja ein Teil unserer Geschäfts Grundlage, wenn wir sozusagen die Aufmerksamkeitsmaschine höher gewichten als die Verpflichtung zur Wahrheit.

00:21:17: Das kennst du ja ohne jetzt da Ross und Reiter zu nennen, wenn einen Medium eben nicht mehr sauber recherchiert und nur der Wirkung halber rausgeht, dann ist die Marke schnell beschädigt und dauert es viele Jahre bis man die Marcke wieder aufgebaut hat.

00:21:31: Ja genau so ist das!

00:21:34: Zum Abschluss ein paar Rapid-Fired Questions schwarz oder weiß, links oder rechts bitte eindeutig.

00:21:40: Kurze Meldung oder lieber eine lange Reportage?

00:21:47: Lieber die lange reportage...

00:21:49: In deinem Geschäft offensichtlich oder doch nicht, Schnelligkeit oder Gründlichkeit?

00:21:55: Gründlichkeit

00:21:57: Lieber ein kritisches Publikum oder ein zustimmendes?

00:21:59: Kritisches Publikum.

00:22:01: Mehr Inspiration für dich aus Büchern oder aus Gesprächen?

00:22:06: Da würde ich gerne beides sagen!

00:22:09: Ein Joker hast du, vielen Dank fürs tolle Gespräch lieber Tim.

00:22:12: Gerne, sehr gerne, vielen dank.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.